Warhammer: The Old World – Grand Cathay

Die neue Armee aus dem fernen Osten der Warhammer-Welt

Anfang 2024 Ist mit Warhammer: The Old World nach etlichen Jahren Marktabstinenz das klassische Warhammer Fantasy mit einem Regelwerk zurückgekehrt, dass sich recht nahtlos als neue Edition an den Klassiker angliedert.

Mittlerweile gab es natürlich längst keine Modelle mehr für Warhammer Fantasy. Entweder war deren Produktion eingestellt, oder sie sind in die Age of Sigmar-Reihe übernommen worden. Es war also naheliegend, das Spiel mit Regeln für viele der früheren Armeen zu veröffentlichen, sodass es von Spielern des Vorgängers sofort genutzt werden konnte, und nach und nach bestehende Miniaturensets von damals wieder aufzulegen, denn die Neugestaltung von Miniaturen in einem großen Umfang wäre für diesen Zeitraum unrealistisch gewesen.

Nun, da die Kernarmeen nach Plan wieder veröffentlicht sind, folgt der nächste große Schritt. Es kommt nach 20 Jahren die erste wirklich neue Armee für Warhammer Fantasy auf den Markt. Grand Cathay ist ein phantastisch geprägtes Land im Fernen Osten der Warhammer-Welt, dass sich kulturell sehr stark an das altertümliche China unserer Welt anlehnt.

Grand Cathay Produkte und Batallion-Box

Umfang der Veröffentlichung ist eine komplette Armee mit Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Monstern, Helden und großen fliegenden Einheiten. Sicherlich bietet Cathay Raum für mehr Auswahl in der Zukunft, aber diese erste Welle stellt bereits eine gut spielbare und vielseitige Armee dar. Der Kern für den Start ist in der Batallion-Box zusammengefasst. Diese enthält 30 Jade Warrior Infanterie, 10 Jade Lancers Kavallerie sowie zwei Artilleriegeschütze. Ein Held ist leider nicht enthalten und muss separat noch zusätzlich erworben werden, um eine spielbare Armee zu erhalten.

Jade Lancers Kavallerie

Die Batallion-Box enthält 10 Reitermodelle. Hier kann man sich entscheiden, ob man nur eine Kommandoabteilung baut und sieben Lanzenreiter, oder ob man zwei Kommandoabteilungen erstellt, um jeweils 5 Modelle zu einer Einheit zu machen.

Im Lauf der Jahre hat sich die Technik, wie Modelle zusammengesetzt sind, stark verändert. Klassische ältere Miniaturen haben häufig eine linke sowie eine rechte Pferdehälfte und separat einen Kopf. Darauf kann dann irgendeiner der Reiter platziert werden. Bei diesem aktuellen Bausatz ist das etwas anders. Pferde bestehen aus vier Bauteilen, bei denen man nicht variieren kann. Da die Reiter Zügel halten, die je nach Blickrichtung sehr unterschiedlich lang sind, sind auch die Reiter dem jeweiligen Tier fest zugeordnet. Lediglich Lanzenarme lassen sich ohne größeren Aufwand variieren, um zum Beispiel nicht zwei vollkommen gleiche Fünfer-Einheiten zu erhalten.

Der Zusammenbau ist keine allzu große Herausforderung. Die Modelle haben sehr viele tolle Details und die Klebestellen sind meist unsichtbar. Eigentlich alles sehr gut. Solange, bis man die Modelle auf ihre Basen kleben möchte. Als The Old World erschien, wurden Basengrößen gegenüber dem früheren Warhammer Fantasy verändert. Kavallerie hat anstelle von 25 x 50 mm nun 30 x 60 mm erhalten. Dies resultierte aus der Erkenntnis, dass bestehende Bausätze teils extrem eng stehen würden und man sie kaum auf dem Raum unterbringen könne. Man habe aber natürlich nicht vor, künftige Bausätze größer zu gestalten. Das stellt sich hier leider als nicht ganz richtig heraus, denn man hat ein Déjà-vu – die Reiter haben teilweise kaum Raum zwischen sich und es ist die selbe Herausforderung wie früher, sie so zu platzieren, dass sie nebeneinander in der Reihe stehen können. Schade, denn bei den bestehenden älteren Bausätzen war die Basenvergrößerung ein wirklicher Gewinn.

Da es das Bemalen erschweren würde, wenn man um einen Schild herum arbeiten müsste, empfiehlt es sich, die Schilde erst nach der Bemalung anzubringen.

Jade Warriors Infanterie

Die 30 Infanterie-Modelle lassen sich in bis zu drei Regimenter aufteilen. Jedes Modell ist wahlweise mit Schwert und Schild oder mit Hellebarde bewaffnet. Anders als bei der Kavallerie bieten sich hier aber viel bessere Individualisierungsoptionen, da die Arme, Köpfe und Gürtelaccessoires frei ausgetauscht werden können. Nur bei den Hellebarden muss man natürlich darauf achten, dass die passenden rechten und linken Arme kombiniert werden.

Die Schwertscheiden sind leider nicht so gestaltet, dass sie frei den Körpern zugeordnet werden können. Mir ist zwar nicht klar, warum man sich so entschieden hat, aber allzu schlimm ist das auch nicht.

Qualitativ gibt es auch hier nichts zu beanstanden. Die Details sind scharf gegossen, ausreichend abwechslungsreich und die Modelle gut zu bauen. Mein einziger unerfüllter Wunsch wären Optionen bei der Kommandoabteilung gewesen. Insbesondere der Musiker und der Standartenträger haben einen sehr hohen Wiedererkennungswert und da wären alternative Standarten und Instrumente großartig gewesen.

Artillerie

Die beiden Geschütze können je wahlweise als Kanone oder als Raketenbatterie zusammengebaut werden. Die Artillerie besitzt eine Bedienmannschaft aus drei Personen. Ein Oger kann ihr zusätzlich angeschlossen werden.

Die Kanonenmodelle sind verhältnismäßig groß für ihre Basen. Da das Spiel es den Spielern freistellt, die Bedienmannschaft separat zu stellen und für Spielbelange dann zu ignorieren oder sie auf der Artilleriebasis mit zu platzieren, bin ich ein großer Freund von letzterer Variante. Das ist bei diesem Bausatz allerdings tatsächlich eine gewisse Herausforderung, lässt sich aber bewerkstelligen.

Die Geschütze sind extrem wuchtig. Für ihre Regeln im Vergleich zu bestehender Artillerie anderer Fraktionen ein wenig zu wuchtig. Aber die tolle Optik macht das locker wieder wett. Auch die Bedienmannschaft der beiden Optionen sieht angenehm unterschiedlich aus. Kleines Manko sind hier die Klebestellen des Kanonenrohrs und des Ogers, die jeweils stark sichtbar über große Flächen verlaufen. Man kann sie daher nur schwer verbergen und es bedarf einiger Nacharbeit, sie unsichtbar zu machen.

Resümee

Ich bin kein großer Fan von fernöstlicher Optik in Fantasy-Spielen. Aber da sich Cathay erfrischenderweise mehr am alten China anlehnt, als, wie in den meisten anderen Fällen, an Japan, hat man dennoch das Gefühl, dass es etwas anderes und frischeres ist. Die Warhammer-Einflüsse verbinden sich gut mit dem Erscheinungsbild und ich muss gestehen, dass viele Elemente der neuen Armee mich reizen. Insbesondere für interessierte Neueinsteiger bei Warhammer dürfte Cathay besonders interessant sein, da man hier eine zeitgemäße Armee bekommt. Wenn man die älteren Modelle nicht in liebevoller Erinnerung von „damals“ hat, mögen diese es bei so manchem ansonsten schwer haben.